Nach der fulminanten Aktien-Rallye im November (z.B. war es im MSCI World der zweitbeste Monat seit Beginn der Statistik 1970), war auch der Dezember von einem freundlichen Grundton gekennzeichnet, wenngleich die vielfach herbeigeredete Jahresendrallye ausblieb. Nach einem nachrichtenreichen 2020 kann aber festgehalten werden, dass echte Qualitätsaktien auch in einem solchen Jahr zu überzeugen wussten.

Ursächlich für die Euphorie im November war die Entwicklung mehrerer wirksamer Impfstoffe und ein unstrittiger Wahlausgang in den USA. Im Dezember zeigte sich wiederum, dass mit dem Impfstoff auch eine enorme Logistik verbunden ist. Produktion, Transport und Lagerung unter Einhaltung der Kühlkette und Anwendung bei der Bevölkerung. Diesbezüglich gab es Anlaufschwierigkeiten, die teilweise die Euphorie etwas ausbremsten. Denn auch dies wurde im Dezember noch einmal deutlich: Das Virus, möglicherweise auch weitere Mutationen davon, ist nach wie vor präsent. Gerade die gesteigerten Kontakt- und Reiseaktivitäten zum Jahresende trugen dazu bei, dass die Zahlen weiterhin auf hohem Niveau verharren. Der Schockeffekt ist allerdings nicht mehr so groß, man hat sich schlicht daran „gewöhnt“.

Ebenso ließ sich der Gewöhnungseffekt beim „harten“ Lockdown beobachten, der vielerorts in Europa wieder in Kraft trat. Sicherlich ging vielen Menschen die politische Salamitaktik (mit der Überhöhung der „Rettung des gemeinsamen Weihnachtsfests“) und das fehlende Erklärungsmuster an die Substanz, insgesamt blieb aber der Umgang mit den Eingriffen in die Grundrechte gelassen und löste auch an den Börsen keine Verwerfungen aus. Warum die Kurse dennoch steigen, hat unterschiedliche Gründe.

In Ländern wie China, Russland, Israel, Großbritannien oder den USA sind umfangreiche Massenimpfungen erfolgreich gestartet. Bislang blieben größere Zwischenfälle an Nebenwirkungen aus und nähren die Hoffnung auf einen wirksamen Schutz durch Immunität breiter Bevölkerungsgruppen.

Die Konjunkturerholung ist auf dem Weg (Stimmungsbarometer ZEW legt zu, ebenso die Industrieproduktion), die Unternehmen zeig(t)en sich gerade in der Hochphase der Pandemie anpassungsfähig. Geschäftsmodelle, sofern möglich, wurden adaptiert, zudem vielfach Prozesse optimiert bzw. Kosten minimiert, so dass ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen zu erwarten ist. Parallel feuern die politischen Entscheidungsträger weltweit aus allen Rohren. Konjunkturpakete in Japan oder das gemeinsame Rettungspaket in Höhe von 750 Mrd. EUR der EU.

Selbst in den USA konnte der Kongress nach zähen Verhandlungen zum Jahreswechsel ein Hilfspaket in Höhe von 900 Mrd. Dollar verabschieden. Es wird geklotzt, trotz aller Haushaltsbelastungen und ein Ende ist nicht absehbar. Zudem ist bei den Privatanlegern eine hohe Sparquote zu beobachten. In der Krise wird, auch mangels Einkaufsmöglichkeiten, auf vieles verzichtet. Das wird in aller Regel dynamisch nachgeholt werden.

Differenzierung ist aber nach wie vor Trumpf, denn nicht jede Branche kann ihre (analogen) Geschäftsmodelle anpassen und natürlich sind die Kursanstiege schon ein Vorgriff auf die Konjunkturerholung, sprich die Bewertungen sind nicht mehr günstig bzw. die Kurse müssen in diese „hineinwachsen“, um sie zu rechtfertigen. Allerdings lohnen sich historische Vergleiche von Bewertungsrelationen mit der Vergangenheit bedingt, denn früher gab es etwas, das es jetzt nicht mehr gibt – Zinsen. Der starke Verfall der Anleiherenditen zwingt Anleger zum Umdenken. Was bringt mir die Scheinsicherheit eines unverzinsten Nominalversprechens gegen eine risikobehaftete Eigentümerschaft, mit der ich aber zumindest eine Chance habe, reale Erträge zu erwirtschaften? Wir werden trotz aller Risiken, die konjunkturell, politisch oder auch klimatechnisch vor uns liegen, immer wieder vorrangig beim Aktienmarkt landen.

Diesbezüglich waren natürlich die Statements der Notenbanken im Dezember elementar, bestimmen sie doch mit ihrer Politik die Entwicklung der Zinsen. Ein Abrücken von ihrer aggressiven Nullzinspolitik ist kaum absehbar, dafür sprechen auch die personellen Querverbindungen zwischen Finanzpolitik und Notenbanken. Extrem niedrige Zinsen und umfangreiche Anleihekäufe werden uns noch lange erhalten bleiben.

Wo so viel Zuversicht vorherrscht, ist die „unerwartete“ Gefahr eines Rückschlages nicht weit. So deuten Sentiment-Umfragen, die die Stimmung der Anleger widerspiegeln, aber auch die Investitionsquoten der großen Fonds, in der Tat auf ein antizyklisches Verkaufssignal hin. Wir bleiben wachsam.

Dennoch bleibt für uns weniger das Timing entscheidend, sondern die Strategie mit dauerhafter Qualität im Depot unterwegs zu sein. Auch 2021 wird ein unruhiges Jahr werden, dennoch, oder gerade deshalb, wird sich Qualität am Ende durchsetzen. Dies zeigte insbesondere das extreme Jahr 2020: Die höchste Qualität findet man nach wie vor bei Aktien, die aufgrund ihres Geschäftsmodells nachhaltig Cashflow generieren können.

Damit wären wir beim Strategie H&H. Anlass, wesentliche Veränderungen an der bewährten Struktur vorzunehmen, gaben die oben genannten Rahmendaten nicht. Aufgrund von Mittelzuflüssen, haben wir ausgewählte Aktien erfolgreicher Unternehmen nachgekauft, um die gewünschte Gewichtung beizubehalten. So stockten wir unsere Position z.B. in Abbvie, AstraZeneca, Kelloggs, Linde, Nvidia, PayPal oder Salesforce auf. Bei MasterCard reduzierten wir wiederum nach deutlichem Kursanstieg unsere Position. AstraZeneca ist derzeit sicherlich wegen seiner aussichtsreichen Forschungen im Bereich des Corona-Impfstoffs in aller Munde. Der mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff erhielt um den Jahreswechsel in verschiedenen Ländern die Zulassung.

Vernachlässigt werden derzeit allerdings zweierlei Aspekte: Zum einen gibt es neben Corona noch andere schwerwiegende Krankheitsfelder. Zum anderen wollen wir in Unternehmen investieren, die nicht nur von einem Produkt abhängig sind. Daher überzeugt uns die britische AstraZeneca. Spätestens mit der erfolgreichen Übernahme des US-Konkurrenten Alexion ist das Unternehmen noch besser aufgestellt, was die Bereiche Immunologie sowie seltene Krankheiten betrifft. Zudem verfügt AstraZeneca über eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Onkologie. Aspekte, die mit einem Blick in eine Welt nach Corona, hoffnungsvoll auf die weitere Aktienkursentwicklung schauen lassen. PayPal wird der ein oder andere erstmals im Jahr 2020 kennengelernt haben.

Die Pandemie brachte es mit sich, dass bargeldloser Zahlungsverkehr ausdrücklich gewünscht wurde. PayPal hat sich über Jahre eine extreme Expertise in diesem Bereich aufbauen können. Transaktionen von mehr als 700 Mrd. US-Dollar setzt man jährlich um. Tendenz stark steigend. Im Zahlungsverkehr bringt das Unternehmen Händler und Konsumenten zusammen. Banken haben sich sukzessive aus diesem Bereich verabschiedet. PayPal nutzte diese Lücke. Die Menge an Transaktionen lässt, selbst mit geringsten Gebühren, attraktive Margen erzielen. Ende des Jahres machte das Unternehmen von sich reden, dass es Bestrebungen gibt, verschiedene Kryptowährungen, u.a., Bitcoin handelbar zu machen.

Auch für mögliche Digitalwährungen der Notenbanken sei man offen. Bei PayPal geht der Blick nach vorne, anders als bei klassischen Banken. Grundlage dafür ist eine nettoschuldenfreie Bilanz und auskömmliche Cashflows, die selbst Übernahmen erlauben würden. Diversifizierung ist das wesentliche Element erfolgreicher Vermögensanlage. Dies lehrte nicht erst 2020, sondern ist von je her unsere feste Grundannahme. So wie in unseren Mischfonds neben Aktien, auch Anleihen, so niedrig verzinst sie auch sein mögen und auch Gold gehören, so ist es im Aktienfonds notwendig, verschiedene Branchen, aber auch unterschiedliche Anlageregionen zusammenzubringen. Unterjährig kann man dann die attraktiven Treiber höhergewichten, darf aber auch nicht das Rebalancen vergessen, um nicht die Risiken zu erhöhen.

Im Hansen & Heinrich Universal haben wir daher im Dezember die europäischen Aktien reduziert, die amerikanischen und japanischen erhöht. So nahmen wir z.B. Verkäufe in Cap Gemini, Henkel oder Schneider Electric vor. Aufgestockt oder neu gekauft wurden z.B. Aktien von Abbott Laboratories, Disney, Fedex, Johnson & Johnson, Microsoft, Pepsi, Sony, Tencent oder Texas Instruments. Gaming und E-Sports ziehen die Massen in ihren Bann, was nicht zuletzt ebenfalls durch die Pandemie einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar wurde.

Der Videospiele-Markt hat sich zu einem Milliarden-Business entwickelt. Weg vom Nischenprodukt für Kinder, hin zu hochwertigen und komplexen Spielen für jedermann. Der eine oder andere wird unter dem Weihnachtsbaum die Playstation 5 entdeckt haben, sofern er sie denn im Handel verfügbar war. Die neueste Konsolengeneration aus dem Hause Sony war hoch begehrt und schwer zu bekommen. Sony wird wohl alle Verkaufsrekorde brechen und bis 2024 fast 200 Mio. Stück verkaufen. Aufgrund der kostenpflichtigen Onlinefunktionen hat sich die analoge Playstation zum perfekten Einstieg in die Kundenbindung entwickelt. Das verspricht Sony auf die nächsten Jahre kontinuierlichen Cashflow. „Mache aus Kunden Fans“, die dauerhaft deine Dienstleistungen kostenpflichtig nutzen. Im Onlinezeitalter ist die Skalierbarkeit ein entscheidender Trumpf. Elementar ist dabei zwangsläufig der Inhalt.

Der amerikanische Medienkonzern Disney hat dies ebenfalls erkannt und investiert, und zwar massiv. Die Freizeitparks leiden enorm unter der Pandemie, aber Disney hat sich zum Streaminganbieter entwickelt und wird dies deutlich ausbauen. Bis Mitte des Jahrzehnts soll der Kundenstamm fast verdreifacht werden. Das Tempo an Wachstum wäre dann höher als bei Marktführer Netflix. Dafür wird in neue Serien aus dem Star Wars- und Marvel-Universum investiert, zudem in spezielle Angebote an Serien und Filmen für Erwachsene. Noch streiten sich viele im Streaminganbieter-Segment um die Abonnenten. Erfahrungsgemäß etablieren sich nach der Anfangseuphorie wenige Platzhirsche. Disney hat gute Chancen, zu den Gewinnern zu gehören.

Auch unser H&H Stiftungsfonds kann auf erfolgreiche zwölf Monate zurückblicken und dementsprechend mit ruhiger Hand im Dezember das Depot steuern. Wir haben zwei neue Aktien aufgenommen, zum einen die schwedische Elekta AB und die Erlebnis Akademie AG. Heute wollen wir Ihnen die Erlebnis Akademie AG vorstellen. Die Erlebnis Akademie ist mit ihren außergewöhnlichen Baumwipfelpfaden ein führender Anbieter im naturnahen Freizeit- und Erlebnisbereich und wurde 2001 gegründet. Die Pfade werden naturschonend aus Holz gefertigt und fügen sich in die umgebende Natur ein. Insgesamt hat das Unternehmen neun Baumwipfelpfade mit einer Gesamtinvestition von 50 Millionen Euro errichtet.

Weiterhin betreiben sie zwei Abenteuerwälder in Deutschland und beschäftigen insgesamt 133 Mitarbeiter. Im bayerischen Wald werden Teamtrainings, Events, Seminare, Kanufahrten, Bogenschießen, Klettern und Biathlon angeboten. 2019 besuchten 2,2 Millionen Gäste die Pfade. Die derzeitige Schließung der Baumwipfelpfade wirkt sich auf die Umsätze des Unternehmens aus. Dennoch entwickelte sich die Erlebnis Akademie im Branchenvergleich im Jahr 2020 überdurchschnittlich. Dies lag insbesondere an deutlichen Besucherzuwächsen in Deutschland. Langfristig gehen wir davon aus, dass der sukzessive Wegfall der pandemiebedingten Belastungen und die Neueröffnung zweier Pfade auf Usedom und im Elsass zu deutlichen Nachholeffekten führen sollten. Daher haben wir eine erste Position im Portfolio aufgenommen.

Am 15.12.2020 wurde die von uns avisierte Ausschüttung in Höhe von 3,- Eur (je Fondsanteil), was einer Ausschüttungsrendite von ca. 3% entspricht, vorgenommen. Die Ausschüttung konnte trotz Marktturbulenzen und noch niedrigem Zinsumfeld, erfreulicherweise stabil gehalten werden.

Ihr Hansen & Heinrich Portfoliomanagement-Team