Bericht des Portfoliomanagements

Juni 2021

Im Mai bewegten wir uns zwischen aufgeregter Spannung und gepflegter Langeweile. Auf der einen Seite prasselten enorm viele Nachrichten auf uns ein. So gab es unterschiedliche Hinweise auf die Entwicklung der Inflation oder Urteile zur weiteren Umsetzung des Aspektes einer nachhaltigen Welt, aber auch heftige Kursschwankungen bei den zuletzt bei vielen Anlegern beliebten Kryptowährungen oder Rohstoffpreisen.
Auf Monatssicht sind die Notierungen an den Aktien- und Rentenmärkten jedoch kaum verändert, wenngleich es vereinzelt Tage mit deutlich erhöhter Volatilität und größeren Kurssprüngen gab. Man konsolidiert auf erhöhtem Niveau, hier und da gab es Versuche nach oben oder unten „auszubrechen“. Diese Vorhaben erwiesen sich als „Fehlsignale“ und verursachte bei hektischen Handelsteilnehmern überwiegend nur Verluste. Wir lassen uns davon nicht anstecken.

H&H Managed Depots

Fonds

Juni 2021 – Notenbanken sichern den Trend

Von Tauben und Falken

Klettertour geht weiter

Sonderfall China

Berichtssaison startet

Eine gespannte Ruhe machte sich im Juni an den Kapitalmärkten breit. Niedrige Umsätze führten dazu, dass die wesentlichen Aktienmärkte in einem engen Rahmen seitwärts liefen, wenngleich mit freundlichem Grundton. Aber auch Anleger festverzinslicher Anleihen konnten sich in den letzten Wochen über Kurszuwächse freuen, ungeachtet dessen bei den relevanten zehnjährigen deutschen Staatsanleihen nach den ersten sechs Monaten ein Kursrückgang von über 2% stehen bleibt.

Die maßgeblichen Impulse der Einschätzungen der amerikanischen FED und der EZB liegen hinter uns. Das Narrativ der Notenbanken hat diesbezüglich zuletzt Futter bekommen. Die Währungshüter sehen die erhöhten Inflationsraten nach wie vor als temporäres Phänomen an: Das Ergebnis aus Basis- und Nachholeffekten nach der Wiedereröffnung der Wirtschaft. Die jüngsten Konjunkturdaten aus China, Europa und den USA stützen diese These. Die Konjunktur brummt, wenngleich nicht mehr so stark.

Den möglichen Gipfel an Wachstumsdynamik preisen auch die Rentenmärkte sukzessive ein, da die Renditen der wesentlichen Staatsanleihen zuletzt rückläufig waren. Ist der Gipfel bei Wachstum und Inflation erreicht? Es bleibt noch abzuwarten.

Entscheidend wird, inwieweit sich die Preissteigerungen in einer möglichen Lohn-Preis-Spirale niederschlagen. Das werden wir in letzter Konsequenz aber erst Richtung Jahreswechsel beurteilen können. Was könnte aktuell ein neuer Treiber sein? Aller Voraussicht die Berichtssaison. Diese startet am 13. Juli (mit JPM, Goldman Sachs und Pepsi) in den USA. Die Erwartungen sind seitens der Analysten dieses Mal ungewöhnlich hoch (über 60% Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahr!).

Es wird unserer Einschätzung nach dementsprechend eine größere Selektion bei den Einzelwerten vorgenommen werden. Welche Geschäftszahlen können die Erwartungen schlagen, welche Unternehmen schaffen es, trotz gestiegener Preise, ihre Margen zu halten oder sogar zu steigern? Das wird spannend und spätestens dann auch zu mehr Volatilität führen, da sich Handelsteilnehmer neu positionieren müssen oder wollen. Gefragt waren zuletzt verstärkt die namhaften US-Technologietitel. Ende des Monats kamen erstmalig in der Geschichte der amerikanischen Aktienmärkte fünf Notierungen auf einen Börsenwert von jeweils mehr als 1 Bio. USD!

Zyklische Titel aus Europa, Gewinner der „Wiedereröffnungs-Phase“ wussten vor dem Hintergrund der sich abflachenden Wachstumsdynamik weniger zu überzeugen. Ein Sonderfall bleibt der chinesische Aktienmarkt. Mit großem Pompös wird in diesen Tagen das 100-jährige Jubiläum der Kommunistischen Partei Chinas gefeiert. China wird zweifelsfrei ein wesentliches Element der globalen Entwicklung im 21. Jahrhundert sein.

Ein totalitäres System und doch innenpolitisch erstaunlich stabil und ökonomisch die letzten zwanzig Jahre eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Eine solche Kombination gab es bislang nicht und hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Regionen, wo sich z.B. die „westliche Demokratie“ nach „Warnschüssen“ wie Brexit oder der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten in einer Findungsphase neu orientiert. Der Staatskapitalismus chinesischer Prägung wirkt mittlerweile auf viele Staaten als Vorbild.

Eine abschließende Beurteilung steht jedoch noch aus, denn mittlerweile entwickelt sich China durch die jüngsten machtpolitischen Entscheidungen Xi Jinpings wieder ein gutes Stück von der Dynamik des Aufbruchs Deng Xiaopings weg. China ist inzwischen nicht mehr die „billige Werkbank“ der Welt. China ist mit seinen qualifizierten Universitätsabsolventen ein Hochtechnologiestandort. Die Zahl der Patentanmeldungen aus dem Reich der Mitte ist höher als in den USA oder Europa, gerade in den Zukunftstechnologien.

So bleibt abzuwarten, inwieweit die politisch motivierten Eingriffe in die Kaptalmärkte, im letzten Jahr z.B. gegen Jack Ma von Alibaba, in diesem Jahr z.B. gegen den chinesischen Uber- Konkurrenten DiDi, Auswirkungen auf das Innovationsund Investitionsklima haben. Die Zurückhaltung der Investoren ist vor dem Hintergrund dieser Gemengelage spürbar und erklärt die unterdurchschnittliche Wertentwicklung chinesischer Aktien in den letzten Wochen und Monaten.

Die zentrale Rolle spielen weiterhin die Notenbanken, liefern doch ihre finanzpolitischen Entscheidungen (und manchmal auch nur ihre Worte) die entscheidenden Signale dafür, wie sich die Liquidität entwickelt. 2008, spätestens 2011, wurde seitens der Notenbanken die Büchse der Pandora geöffnet. Die Notenbanken sprangen den Banken und Staaten zur Seite, ihre Rolle als „lender of last resort“ war geboren. Die Retter sind mittlerweile allerdings selbst getrieben und die Erwartungshaltung immens. Per Definition soll eine Notenbank die Preiswertstabilität steuern, nach eigenem Verständnis in den USA aber auch noch auf den Arbeits- und Aktienmarkt achten.

In Europa will sie zudem den Klimawandel bekämpfen! Am Schluss geht es aber auch schlicht um Glaubwürdigkeit. Eine Herkulesaufgabe, da es dafür keine historische Blaupause gibt. Umso spannender waren die Notenbanksitzungen im Juni. Unter dem Strich wurde das ganze gut kommuniziert. Während die EZB wie erwartet einen sehr „taubenhaften“ Ton angeschlagen hat, ist es der US-Notenbank gelungen, „falkenhafter“ zu klingen, ohne dabei die Anleger zu sehr zu verschrecken. Die Investoren wurden auf eine straffere Zinspolitik und höhere Zinsen ab 2023 vorbereitet. Das wird jedoch im Vorfeld verbal begleitet und mit zeitlichem Vorlauf geschehen. Insgesamt ist die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten somit fundamental gut unterlegt, gestützt von den Notenbanken und der Gewinnentwicklung der Unternehmen.

Die Summe beider Faktoren kann die Basis sein, dass die steigenden Kurse sich fortsetzen. Eine Hausse stirbt in der Regel nicht an Altersschwäche. Wichtiger aber ist, dass diese Kombination auch als Stabilisator dient, wenn es Phasen externer Unsicherheitsfaktoren geben sollte. Wahlergebnisse, Steuererhöhungen, Handelsstreitigkeiten, Kryptowährungsexzesse oder ein schlichtes Virus können selbstverständlich immer zu temporären Schwankungen in den Kursen führen. Im Hansen & Heinrich Universal haben wir an der strategischen Ausrichtung keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen.

Wir haben Aktien, die unsere Kursziele erreicht haben (HeidelbergCement, Keyence, Vinci) oder deutlich besser als der Markt gelaufen sind (ASML, L’Oréal, Nvidia) verkauft. Dagegen haben wir Titel, die unserer Meinung nach weiterhin aussichtreich sind, aufgestockt. Namentlich Alphabet, Enel, Salesforce, TSMC oder Visa. In Summe haben wir mit dem Verfallstag an den Terminmärkten unsere Liquiditätsquote auf ca. 16% erhöht. Damit fühlen wir uns für das aufgezeigte Szenario der nahenden Berichtssaison voll handlungsfähig. Tägliche Kursschwankungen ändern nichts an unserer konstruktiven Meinung zu internationalen Aktienpapieren.

Wenn wir aber mit Optionen und Kauflimiten unsere Einstiegs- und Ausstiegskurse optimieren können, tun wir dies im Sinne unserer Anleger gerne. Die Halbleiterhersteller stehen derzeit im Mittelpunkt der Wirtschaft, wird doch der Mangel an Chips vielfältig diskutiert. Technologisch ist die 1987 gegründete Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) der unbestrittene Weltmarktführer, was jüngste Innovationsankündigungen (1 Nanometer!) wieder eindrucksvoll bestätigten. Die Chips werden immer schneller, immer kleiner, immer stromsparender. Die Forschungsausgaben sind immens, sind aber auch einer guten Gewinnentwicklung geschuldet.

Bei einem Umsatz von knapp 40 Mrd. USD, blieben 2020 gut 16 Mrd. operativer Gewinn übrig. Das Unternehmen zeichnet sich durch hohe Kompetenz, Risikobereitschaft und Schnelligkeit aus, was auch davon profitiert, nahezu komplett in Taiwan zu produzieren. In einem Markt, der von wenigen Anbietern dominiert wird, sichert das verlässliche Gewinne in den nächsten Jahren. Die Wertenwicklung des Hansen & Heinrich Universal beträgt im Kalenderjahr per 30.6.2021 +10,18%.

Im Strategie H&H haben wir in der regionalen Struktur Anpassungen vorgenommen. Der europäische Aktienmarkt entwickelte sich in den ersten Monaten 2021 vielfach besser als die amerikanischen oder asiatischen Gegenstücke. Das nahmen wir nunmehr zum Anlass, unsere Bestände an Aktien von EssilorLuxottica, Henkel, Kering, Lanxess, L’Oréal oder Sanofi zu verkaufen. Aufgestockt haben wir dagegen unsere Investitionen in Aktien von Abbott Laboratories, BioNTech und TSMC. BioNTech steht sicherlich wegen seines hochgradig effizienten Impfstoffes im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Fokus des Anlegerinteresses. Diese Vakzine verbessern die Kapitalausstattung des Unternehmens massiv.

Man darf aber nicht vergessen, dass die Kernkompetenz in der Krebsforschung liegt. Schlüssel bleibt auch hierbei die mRNA-Technik. Der BioNTech-Gründer prophezeit, dass „in 15 Jahren ein Drittel aller Arzneimittel auf mRNA-Technik basieren werden“. Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkte oder Arthrose gehören mittlerweile zu Zivilisationskrankheiten und wirksame Medikamente versprechen somit nicht nur vielen Menschen Hoffnung und Linderung von Leid, sondern auch einen Milliardenmarkt.

Womöglich kann man zukünftig Krebs ohne Chemotherapie und Bestrahlung bekämpfen. Darüber hinaus haben wir unsere Quote an Holzaktien aufgestockt, da diese zuletzt deutlicher im Kurs nachgegeben haben. Mit einem solchen Investment verfolgen wir zweierlei Ziele. Zum einen wird Holz in einer immer nachhaltigeren Welt als Rohstoff immer wichtiger werden. Zum anderen betreiben diese Holzformen dauerhaft Baum- und Waldpflege. Das sichert einen wertvollen Beitrag gegen die Versteppung von Landschaften und den Klimawandel. Der Anbietermarkt ist recht unübersichtlich. Daher ist es wichtig, sich auf die etablierten Unternehmen aus den USA und Kanada oder Finnland zu konzentrieren.

Die Wertenwicklung unseres Mischfonds beträgt im Kalenderjahr per 30.6.2021 +4,82%. Im H&H Stiftungsfonds konnten wir in den letzten Wochen vereinzelte Zeichnungsgewinne bei Anleihen realisieren. Der steigende Bund-Future ermöglichte uns diese kurzfristige Opportunität der Gewinnmitnahme. Im Aktienbereich haben wir nach starkem Kurszuwachs Gewinne bei der französischen EssilorLuxottica und der norwegischen Mowi realisiert. Aufgestockt bzw. gekauft haben wir dagegen Aktien von Geberit und Telenor. Geberit ist der europäische Markführer für Sanitärprodukte.

Sowohl im Bereich der Badezimmerkeramiken als auch auf dem Gebiet der Sanitärtechnik können einzigartige Mehrwerte geboten werden. Der Konzernhauptsitz befindet sich in der Schweiz. Ziel des Unternehmens ist, durch innovative Produkte die Lebensqualität der Menschen nachhaltig zu verbessern. Der Konzern engagiert sich zudem aktiv an Projekten, die sich für das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung einsetzen.

Im Bereich der Nachhaltigkeit wird Geberit als eines der fortschrittlichsten Unternehmen angesehen und anerkannt, diese hohen Standards möchte der Konzern auch in Zukunft weiterhin erzielen und verbessern. Neben dem ESG-Rating bei Refinitiv von A (in Zahlen 88,61) überzeugten uns insbesondere die fundamentalen Daten des Unternehmens. Seit 2008 zahlt Geberit eine Dividende und erhöht diese seit 2013 kontinuierlich und zahlte diese selbst im „Corona-Jahr“ 2020. Dies kann sich der Konzern aufgrund einer stabilen Eigenkapitalquote von mehr als 50% leisten. Die Wertenwicklung des H&H Stiftungsfonds beträgt im Kalenderjahr per 30.6.2021 +3,60%.

Ihr Hansen & Heinrich Portfoliomanagement-Team