Bericht des Portfoliomanagements

August 2021

Kein „Sell in May and go away“ und letztendlich auch keine Furcht vor dem statistisch unterdurchschnittlichen August. Die Anleger haben sich offensichtlich an die Höhenluft gewöhnt oder begreifen Aktien mittlerweile mehr als langfristige Unternehmensbeteiligung, abseits von täglichen Kursschwankungen.

H&H Managed Depots

Fonds

August 2021 – Von Infrastruktur doppelt profitieren

Mediale Unruhe, ruhige Kapitalmärkte

Hohe Erwartungshaltung an die US-Notenbank

Comeback der Inflation

Denn trotz aller Freude über stabile Kurse, werden die Nerven der Anleger medial schon arg strapaziert. Ohne „echte“ Unternehmensnachrichten, wenden sich die Blicke den übergeordneten Themen zu und dabei wird vielen bewusst, dass einiges inzwischen recht unruhig und unübersichtlich ist. Afghanistan (Taliban, Al-Kaida, IS), Klimawandel, Corona-Mutationen, Bundestagswahl, geopolitische Spannungen. Wer hat noch mal was wozu gesagt, wer war noch einmal dagegen? Nutzt man Medien, helfen diese nur bedingt, denn die Überschriften sind im „Breaking-News“-Zeitalter nur noch laut und schrill. Handelt man nach diesen „Stimmungstrends“, läuft man schnell Gefahr, prozyklisch Fehler zu machen. Für eine nüchterne Einschätzung sind Kapitalmärkte hervorragend geeignet, haben sie doch alle Informationen, auch die aktuellen, verarbeitet. Ende August zeigt sich der Markt für die maßgeblichen Staatsanleihen weiter stabil: US-Rendite bei ca. 1,30%, die Rendite von Bundesanleihen bei ca. -0,4%. S&P 500 bei ca. 4.500 Punkten, DAX bei ca. 15.800. Die Feinunze Gold notiert bei rund 1.800 USD. Das sieht nicht nach Zinswende oder Aktiencrash aus.

Für den Markt ist es wichtig, dass die letzte Instanz der Verlässlichkeit liefert. Daher ist die Erwartungshaltung an die Notenbanken mittlerweile ausgesprochen hoch und deren Termine sorgen für große Aufmerksamkeit. So schauten alle nach Jackson Hole, wo FED-Chef Powell sprach. Eigentlich ist seine Lage recht vertrackt. Ein „kalter Entzug“ (Zinserhöhungen) ohne Nebenwirkungen ist nicht möglich. Demnach muss er die Dosis so verringern, dass der Kapitalmarkt es auch noch gut findet. Nüchtern betrachtet, gelingt ihm das seit Monaten erstaunlich gut. Die jüngsten Verlautbarungen zeigen: Das Tapering wird kommen, wohl aber etwas später (eher November) als zuletzt erwartet. Das liegt aber nicht an einem dramatischen Wachstumseinbruch, eher einer Wachstumsverlangsamung im Zuge der jüngsten Delta-Variante. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass auf die Drosselung der Anleihekäufe (Tapering) nicht zwingend eine Leitzinswende folgen werde. Die konkrete Höhe des Tapering wird sich aus der Entwicklung des US-Arbeitsmarkts ergeben.  Powell will weiter Vorsicht walten lassen – mehr können die Kapitalmärkte nicht erwarten und das spricht weiter für Qualitätsaktien.

Die Gewinne der Unternehmen entwickeln sich besser als erwartet und auch besser als die Kurse. In Relation ist die Bewertung zum Jahresanfang sogar günstiger geworden. Die meisten Unternehmen haben während der Pandemie schnell und konsequent gegengesteuert (Digitalisierung, Prozessmanagement) und damit vielfach die Margen verbessert.

Entscheidend für die weitere Börsenentwicklung bleibt die Entwicklung der Inflation und der Zinspolitik. Noch tiefere Zinsen als Stützungsmaßnahme erscheinen derzeit nicht vorstellbar, allenfalls eine Mutation des Virus führt zu neuen umfangreichen Lockdowns und zu einer deutlichen Konjunkturabschwächung. Stark steigende Zinsen zeichnen sich derzeit ebenfalls nicht ab – das sah zu Beginn des Jahres noch etwas anders aus. Mittlerweile hat sich die Euphorie um die Wiedereröffnung der Wirtschaft jedoch ein Stück weit gelegt und das mildert womöglich größere Preissprünge ab. Aber die Inflation ist zurück. Natürlich nicht vergleichbar mit den 70er Jahren, aber gerade nach den vielen Jahren mit deflationärer Tendenz, spüren und empfinden wir Steigerungsraten um die 4% schon als enorm, zumal sie in einzelnen Segmenten deutlich höher ist.

Die US-Notenbank wird also reagieren, sprich die Anleihekäufe sukzessive zurückfahren. Das mag den Marktteilnehmer, der auf Kredit handelt oder Unternehmen, die hohe Schulden vor sich herschieben, negativer tangieren. Investoren, die sich wie wir an Qualitätsunternehmen beteiligen, jedoch weniger. Solche Unternehmen können mit Zinsen in einem langsamen Aufwärtstrend gut leben, das zeigt die Vergangenheit. Ebenso haben sie bei leicht steigender Inflation mit ihrer Marktstellung die Möglichkeit, höhere Preise weiterzureichen. Nicht zuletzt wäre eine Drosselung vor dem Hintergrund wichtig, dass die Notenbank glaubwürdig bleibt. Sie hat ihre unkonventionellen Maßnahmen in der Vergangenheit sehr gut erläutert, so dass sie nicht vergessen darf, bei Besserung der Lage diese auch wieder zurückzufahren. Börsianer wissen diesbezüglich klare Ansagen zu schätzen.

Infrastruktur rückt immer mehr ins Bewusstsein, gerade weil sie über viele Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Die großen Themen unserer Zeit wie Pandemie, Klimawandel, digitales Arbeiten, Lernen sowie Verwaltung, zeigen aber, wie wichtig eine ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft ist. Anbei wollen wir Ihnen verschiedene Investmentmöglichkeiten vorstellen, die wir für Sie im Portfolio haben.

Im Bereich der Infrastrukturunternehmen sind wir im Fonds Strategie H&H schon länger investiert und haben dabei die Regionen Nordamerika, Europa und Südostasien im Blick. Wir halten diesen unter Renditeaspekten für attraktiv und aufgrund der niedrigen Volatilität für einen wertvollen Baustein. Eine funktionierende Infrastruktur ist elementar und ein echter Wettbewerbsvorteil. Infrastrukturanlagen erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen haben und als möglicher Schutz vor Inflation dienen können. Auf der einen Seite sehen wir Staaten, die massiv in Mobilität, Energiewende und digitale Infrastruktur (z.B. Glasfaseranschlüsse) investieren werden. Gleichzeitig sehen wir, dass institutionelle Anleger wie Versicherungen immer mehr dort investieren, versprechen sie sich davon doch Erträge in einem zinslosen Umfeld. Dieses Zusammenspiel an Angebot und Nachfrage verspricht Stabilität. In den nächsten Wochen wird ein umfangreiches Infrastrukturpaket (zwischen 1 und 3,5 Bio. USD) in den USA verabschiedet werden. Damit soll das Netzwerk, aber noch mehr die maroden Wasser- und Schienenwege modernisiert werden. In Europa geht das „Next-Generation-Paket“ der EU in eine ähnliche Richtung, wobei hier der Hauptschwerpunkt auf Energieeffizienz gelegt wird. Staatliche Vorgaben begrenzen sicherlich mögliche Renditen, sind aber dafür verlässlicher. Aus diesen Gründen haben wir uns im Fonds mit unterschiedlichen Investmentvehikeln (z.B. M&G Global Listed Infrastructure für die nordamerikanische Region) darauf fokussiert.

Mit dem Hansen & Heinrich Universal konnten wir ebenfalls an den steigenden Kursen am Aktienmarkt partizipieren. Wesentliche Änderungen mussten nicht vorgenommen werden. Neu aufgenommen haben wir den US-Finanzdienstleister Square. Ein wenig näher bringen wollen wir Ihnen zudem die Air Liquide, die wir schon länger im Depot halten. Das Segment der technischen Gase klingt jetzt nicht besonders spannend, was dazu führte, dass das Geschäft nur noch wenigen betrieben wird. Die beiden größten Player sind Linde und Air Liquide (AIL) und beide decken die komplette Wertschöpfungskette (von einzelnen Gasflaschen bis zum Bau kompletter Anlagen) ab. Die Gas- & Serviceaktivitäten stellen den größten Geschäftsbereich dar. Das geht von Großabnehmern aus der Chemieindustrie, die an das fast 10.000 km lange Pipelinenetz von AIL angeschlossen sind, bis zu kleineren Kunden, die per Laster beliefert werden oder eine eigene Produktionsanlage auf ihrem Gelände (z.B. Krankenhaus) erhalten. Die Wartung der Anlagen bringt dauerhafte und planbare Erlöse. Spannend ist der Bereich der Wasserstoffe, wird er doch als wesentlicher Bestandteil beim Klimaschutz gesehen. AIL liefert Know-how von der Elektrolyse über die Gaszerlegung bis zum Transport und zur Speicherung, gerade auch im Bereich des „grünen“ Wasserstoffs. Die breite Nutzung macht das Unternehmen wesentlich weniger konjunkturanfällig und die starke Kundenbindung erlaubt bessere Möglichkeiten, steigende Kosten weiterzureichen. Die Air Liquide ist ebenfalls ein attraktiver Vertreter aus dem Bereich der Infrastruktur.

Im H&H Stiftungsfonds haben wir diesbezüglich die Cisco Systems aufgenommen. Das Unternehmen wurde 1984 gegründet, hat die dot.com Blase überlebt und gehört inzwischen zu den 100 größten Unternehmen der Welt. Und doch fristet es als Technologietitel abseits der „FANG“-Aktien ein gewisses Schattendasein. Als Stiftungsfonds sind wir jedoch weniger an Glamour als an nachhaltiger Qualität interessiert. So finden wir diesen Titel attraktiv, halten ihn und werden ihn je nach Marktlage weiter ausbauen. Cloud-Computing, Rechenzentren, Netzwerke. Cisco-Produkte sind es, die diese verbinden. Das schafft Planungssicherheit, gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden Investitionen im Zusammenhang mit dem großen US-Infrastrukturplan der Biden-Administration. Gerade der öffentliche Sektor ist dabei, massiv ins Internet zu investieren, um der Notwendigkeit einer digitalen Verwaltung gerecht zu werden. Das erlaubt Cisco eine stabile Dividendenpolitik. Das ist das, was wir benötigen, um die geplante Ausschüttung für unsere investierten Stiftungen zu gewährleisten. Berücksichtigen Sie dabei bitte: Stiftungen kommen ihrem Stiftungszweck der täglichen Arbeit nur mit Erträgen und Spenden nach. Umso tückischer trifft diese die Niedrigzinspolitik, die wiederum uns noch einige Jahre erhalten bleiben wird und somit auch gesellschaftspolitische Auswirkungen hat. Die mehr als 150 verschiedenen Anleihen im Depot schaffen Stabilität. Erträge erwirtschaften wir mit Aktien. Für das betreute Vermögen der Stiftungsgelder und letztendlich für die sinnvollen Tätigkeiten der gemeinnützigen Einrichtungen.

Ihr Hansen & Heinrich Portfoliomanagement-Team