Surfer streben danach, im entscheidenden Moment die perfekte Welle zu erwischen, um von der Kraft der Natur zu profitieren. Dabei ist das Timing elementar: Man muss im richtigen Augenblick paddeln, um Geschwindigkeit aufzunehmen und dann schnell genug aufzustehen, um die Welle optimal zu reiten. Es erfordert Übung und Erfahrung, um die externen Einflüsse angemessen einschätzen zu können. Auch die Kapitalmärkte bewegen sich wellenartig und passen sich zügig neuen Strömungen an. Sie unterliegen ständigen Veränderungen, beeinflusst sowohl durch die makroökonomische Entwicklung der Gesamtwirtschaft als auch das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte auf Mikroebene. Anleger versuchen, analog zum Surfen, die richtige Welle zum Investieren zu erfassen.

Monothematische Big Waves

Im bisherigen Jahr lässt sich feststellen, dass die Börsen bislang jeweils stark von einer monothematischen Big Wave geprägt waren. Ein einziges Thema überstrahlte in der einzelnen Phase alles andere. Seit den Tiefstkursen im Herbst 2023 war es die Hoffnung auf einen disinflationären Trend und damit verbundene Zinssenkungen, die die globalen Aktienmärkte bis Ende März 2024 antrieb. Wir erinnern uns: Zu Beginn des Jahres waren noch bis zu sechs Zinssenkungen (beginnend ab März) weitgehend Konsens! Der April war der erste Monat seit Oktober 2023, der von roten Vorzeichen an den Aktienmärkten geprägt war. Ursächlich war der schnelle Anstieg der Renditen, der in höher als erwarteten Verbraucherpreisen seine Ursache hatte. Ein zügiges und stetiges Rücklaufen der Inflation in Richtung der Zielmarken der Notenbanken wurde von den Marktteilnehmern ausgepreist.

Mit dieser Ausgangslage gingen wir in den Mai, in dem sich traditionell die Frage stellt, wieviel Wahrheit und Folklore in dem Bonmot „Sell in May and go away“ steckt. Allerdings bewahrheite sich dieses Jahr eher das Gegenteil („Buy in May and stay“). Wir reflektieren solche historischen Erkenntnisse, richten jedoch unsere Anlagepolitik nicht allein danach aus, da bei einer komplexen Betrachtung auch Aspekte wie z.B. Zeitraum, Transaktionskosten, Steuern oder Disziplin berücksichtigt werden müssen.

Unsere Anlagepolitik konzentriert sich vielmehr auf den Faktor Qualität. Wir suchen nach resilienten Unternehmen, denen es nachhaltig gelingt, profitable Branchentrends aktiv zu gestalten. Das sind Gesellschaften, die durch starke Marken, Produkte oder Dienstleistungen effektive Wettbewerbsbarrieren und Preissetzungsmacht besitzen. Das ist die Basis, um auch in einem inflationären und geopolitisch herausfordernden Umfeld, kontinuierlich steigende Cashflows zu generieren. Diese ermöglichen Investitionen in neue Techniken und Personal sowie Aktienrückkäufe oder Dividenden.

Hausse nährt die Hausse

Der Mai brachte eine eigene Dynamik mit sich. Ausgehend von der Konsolidierung des Aprils, entfaltete sich an den Märkten eine Hoffnung auf ein neues „Goldilocks“-Umfeld, gekennzeichnet von rückläufiger Inflation, niedrigeren Zinsen in Kombination mit steigendem Wirtschaftswachstum und zunehmenden Unternehmensgewinnen. Wenn dann die Kurse täglich steigen, werden auch skeptische Anleger zu Käufern – die Hausse nährt die Hausse. Dieses Phänomen hatte viele Anlageklassen erfasst, auch Anleihen, Gold, aber auch Silber und Kupfer oder Kryptos verzeichneten steigende Notierungen.

Time in the market wichtiger als Timing the market

Wir konnten von diesen Entwicklungen profitieren, da wir kontinuierlich einen hohen Investitionsgrad in den von uns betreuten Portfolien umsetzen. Dabei folgen wir der Erkenntnis, dass „Time in the market“ wichtiger als „Timing the market“ ist. Dennoch erwarten wir keine vollständige Rückkehr zu einem Goldilocks-Szenario wie in den 2010er Jahren. Wir gehen davon aus, dass bestimmte Trends zu langfristigen Verschiebungen führen und sich das Anlageumfeld ändern wird. Begriffe wie Demographie, Dekarbonisierung oder Deglobalisierung waren lange Zeit Plattitüden aus einer weit entfernten Zukunft, die nun spürbare Konsequenzen im Alltag nach sich ziehen. Unserer Analyse nach wird sich die Inflation nicht mehr in einem Korridor zwischen 0 und 2%, sondern eher zwischen 2 und 4% bewegen. Regierungen verschuldeter Haushalte werden dies sogar ein Stück weit begrüßen, da höhere Inflation („finanzielle Repression“) zur realen Entschuldung beiträgt. Dies wirft jedoch Fragen zur Refinanzierung auf. Seit Jahrzehnten galten z.B. Japan und China als die größten Gläubiger der USA. Allerdings baut gerade China, auch aus den Erfahrungen rund um die eingefrorenen russischen Zentralbankgelder, kontinuierlich seine Bestände an US-amerikanischen Staatsanleihen ab. Das bedeutet, dass die Refinanzierungskosten hoch bleiben und Zinsbelastungen wesentliche Posten der Staatsfinanzen darstellen. Staatliche Haushaltsdefizite rücken somit in den Fokus der Anleger.

Wer profitiert von den großen Trends?

Sprechen diese Rahmenbedingungen dann eigentlich für Aktien? Unbedingt, aber nicht für alle. Unprofitable Geschäftsmodelle, die lediglich auf zukünftige Hoffnungen basieren, werden es schwerer als früher haben. Unternehmen in Wachstumsbranchen (z.B. Infrastruktur, Gesundheitswesen, Digitalisierung) werden dagegen unserer Meinung nach reüssieren, insbesondere, wenn sie in der Lage sind, neue Trends, wie z.B. Künstliche Intelligenz, zeitnah ins eigene Geschäftsmodell zu integrieren und zu monetarisieren. Das bedarf einer starken Bilanz, stabiler Geschäftsbeziehungen und eines kompetenten Managements.

Im Portfolio des Hansen & Heinrich Universal (aktuelle Aktienquote 91%) haben wir den Investitionsgrad übergeordnet stabil gehalten und so von den steigenden Aktienkursen profitiert. Wir haben im Mai u.a. Aktien von AMD, Air Liquide, Alphabet, BB Biotech, Caterpillar, Deutsche Börse, Home Depot, Johnson & Johnson, LVMH, McDonald`s, Meta, Occidental, Salesforce und Siemens aufgestockt. Verkauft bzw. reduziert haben wir dagegen u.a. Arista Networks, BYD, CVS Health, JPM und Netflix.

In Zeiten wie diesen, in denen die deutsche Wirtschaft auffallend zur Schwäche neigt, ist es umso bemerkenswerter, dass es dennoch branchenbezogene Weltmarktführer aus Deutschland gibt. Ein hervorragendes Beispiel ist die von uns allokierte Münchener Rück, der weltweit größte Rückversicherer. Im Mai konnte sie weiter zulegen und mit starken Zahlen beeindrucken. Der Nettogewinn im ersten Quartal stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 70% auf 2,1 Milliarden Euro. Diese Entwicklung wurde vor allem von höheren Erträgen aus Kapitalanlagen, geringeren Schadensbelastungen im Rückversicherungsgeschäft sowie hohen Raten für Deckungen gegen Naturkatastrophen getrieben. Für das kommende Geschäftsjahr erwarten wir eine Nuancierung der Entwicklungen. Zwar rechnen wir mit weiteren Preiserhöhungen, wenngleich nicht mehr in dem Maße wie zuvor. Das gestiegene Zinsniveau sollte jedoch helfen, da fällige Anleihen im Kapitalbestand zu höheren Zinsen wiederangelegt werden können. Wir schätzen die stabile Qualität des Unternehmens, die sich in einer überdurchschnittlichen Solvenzquote zeigt. Dem Unternehmen gelingt es regelmäßig, auch nach größeren Belastungen durch z.B. Naturkatastrophen, kurzfristige Gewinnbeeinträchtigungen in langfristig steigende Versicherungsprämien umzumünzen. Diese Stabilität spiegelt sich auch in einer nachhaltigen Dividendenpolitik wider. Seit 1969 ist die Dividende nie gesunken und erreichte für das letzte Geschäftsjahr mit 15 Euro pro Aktie ein neues Hoch. Dieser Anstieg von über 29% im Vergleich zum Vorjahr unterstreicht eindrucksvoll, wie wertvoll Dividendenkontinuität für realen Vermögenserhalt sein kann.

Im H&H Stiftungsfonds (aktuelle Aktienquote 36%) haben wir nur wenige Veränderungen vornehmen müssen und konnten sowohl bei Anleihen als auch Aktien von den beschriebenen Marktbedingungen profitieren. Im Bereich der Aktien haben wir unsere Bestände u.a. an ADP, MSCI Inc und Salesforce aufgestockt. Reduziert haben wir dagegen Bestände von Bank of America, Coca-Cola, Colgate, Eiffage, Pepsi und Thermo Fisher. Im Anleihebereich haben wir unsere Engagements in Papieren von Emittenten wie u.a. American Tower, Amprion, AstraZeneca erhöht. Im Mai waren wir bei Neuemissionen von Medtronic und Novo Nordisk erfolgreich beteiligt, während Anleihen von u.a. dem Staat Belgien, Adevinta, Royal Bank of Canada und Wienerberger endfällig und regulär zurückgezahlt wurden. Wir möchten Ihnen zwei Erfolgsgeschichten abseits der großen und bekannten Namen präsentieren und erläutern, warum wir diese Unternehmen in unser Portfolio aufgenommen haben. Aktienindizes spielen in der wirtschaftlichen Berichterstattung eine zentrale Rolle, da sie einen ersten Hinweis darauf geben, ob das übergeordnete Börsengeschehen positiv oder negativ gestimmt ist. Das US-Unternehmen MSCI Inc. berechnet solche Indizes und erhält dafür Lizenz-Entgelte. Diese Dienstleistungen werden durch eine Vielzahl von Daten- und Analyse-Tools ergänzt, die z.B. beim Risikomanagement oder bei der Bewertung von ESG-Merkmalen zum Einsatz kommen. Durch den Einsatz von KI wird das Volumen dieser Dienstleistungen weiter zunehmen, wodurch MSCI Inc. mit seinem Datenschatz und den Abo-Modellen unserer Meinung nach eine attraktive Wachstumsstory darstellt. Seit 2016 verzeichnet das Unternehmen zweistellige Gewinnzuwächse. Das Geschäft ist margenstark, da es geringen Kapitalbedarf erfordert und gut skalierbar ist. Kürzlich kam es zu einem Kursrückgang, da sehr hohe Erwartungen nicht ganz erfüllt werden konnten und die Aktie im Vorfeld überbewertet war. Diese Gelegenheit haben wir genutzt und gestaffelte Käufe getätigt. Sonova ist hingegen ein führender Anbieter von Hörlösungen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt innovative Hörgeräte, Hör-Implantate und drahtlose Kommunikationslösungen. Mit ihren Produkten und Dienstleistungen zielt Sonova darauf ab, Menschen mit Hörverlust ein besseres Hörerlebnis und damit eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen. Durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung setzt Sonova technologische Maßstäbe in der Audiologiebranche. Die Geräte und Batterien werden immer leistungs- und langlebiger, zudem können die Geräte teilweise über die Cloud von den Fachärzten bei Bedarf neu eingestellt werden. Das Umsatzpotenzial ergibt sich aus der demografischen Entwicklung. Mit der weltweit steigenden Lebenserwartung wächst die Zahl der Schwerhörigen in der Bevölkerung. Auch die Anzahl der Personen, die unter arbeits- oder lärmbedingten Hörschäden leiden (vermehrt auch Jugendliche durch intensiven Kopfhörergebrauch), nimmt zu. Innovative Unternehmen wie MSCI Inc. oder Sonova verbessern fortlaufend Produkte und Dienstleistungen, steigern direkt und indirekt die Lebensqualität der Nutzer und die Gewinne der Unternehmen. Diese Mischung nutzen wir im H&H Stiftungsfonds gerne für unsere Anleger und Anlegerinnen.